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2021-08-10

Blog #43

Unsere Kollegin Kathrin Kohlruss hat gemeinsam mit Georg Gappmayer, Belinda Geier und Nadine Kern ein Buch veröffentlicht, dass sich um die Handhabe des selbst entwickelten ZEPS Konzepts dreht.

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Die Förderung von Partizipation ist ein Kerngeschäft der Ergotherapie. Doch wie kann ergotherapeutisch die soziale Partizipation von psychisch schwerstbetroffenen Menschen gefördert werden? 

ZEPS ist ein innovatives, praxiserprobtes Interventionskonzept. Dabei wird Partizipation durch zwei unterschiedliche Ansätze gefördert: einerseits durch ein Erleben von Zugehörigkeit bei sozialen Aktivitäten, und andererseits durch die Auseinandersetzung mit bedeutungsvollen Handlungsrollen und daraus resultierender Perspektiven und Veränderungswünschen. Alltagsorientierung, Betätigungsorientierung, Klient*innenzentrierung, Ressourcenorientierung, Empowerment, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Nachhaltigkeit und Peer-Unterstützung bilden die Basis des ZEPS.  Das Besondere ist, dass bei der Intervention nicht ein Training von Fertigkeiten im Vordergrund steht, sondern das Erleben einer gemeinsamen sozialen Aktivität an sich. Durch die Grundprinzipien Natürlichkeit, Selbstbestimmung und Druckfreiheit ergibt sich eine besondere therapeutische Haltung, die es ermöglicht soziale Aktivitäten zu fördern, ohne eine aktive Teilhabe zu fordern. Dabei wird nicht nur aktives Tun als Partizipation aufgefasst, sondern auch passives Partizipieren als ein Schritt in Richtung gesellschaftlicher Teilhabe verstanden. Dadurch werden mit ZEPS sogar Klient*innen erreicht, die als “nicht gruppenfähig” eingestuft werden. 

Zitate von Anwender*innen:
“ZEPS verbindet für mich viele wichtige Aspekte der ergotherapeutischen Arbeit wie die Ermöglichung von Partizipation sowie auch das Einbeziehen des Alltags durch eine natürliche Atmosphäre und Aktivitäten, die Klient*innen aus ihrem Alltag kennen.” (Anna Pointner, Kinder- und Jugendpsychiatrisches Ambulatorium, Extended Soulspace. PSD Wien)
“Besonders schön ist es, mitzuerleben, wenn anfänglich sehr zurückgezogene und verunsicherte Patient*innen langsam Sicherheit gewinnen, sich aus sich heraus trauen und immer mehr aufblühen.” (Gunde Dunkl und Melanie Kohl, Universitätsklinikum für Psychiatrie und Psychotherapie. AKH Wien)
“Es hat sich herausgestellt, dass es für unsere Klient*innen angenehm ist zu wissen, nichts beitragen zu müssen. Die verschiedenen Aktivitäten ermöglichen aber oft durch unterschiedliche Anreize, sich mehr einzubringen, als vorher für sie ? aber auch für uns - vorstellbar gewesen wäre.” (Carina Schatz, ambulantes Setting für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen. PSD Tulln)
“Es geht auch nicht um ein klassisches funktionelles Training, sondern einfach um ein entschleunigtes Miteinander, ein Aufeinander-Schauen und auch Zeit haben, damit jede*r die eigene Rolle in der Gruppe finden kann.” (Johannes Wöß-Lohberger, Pädiatrie. Assista Soziale Dienste GmbH. Altenhof am Hausruck)

Das Handbuch zum Konzept wurde im Juli 2021 durch den Schulz-Kirchner-Verlag veröffentlicht und ist ab sofort erhältlich. 

Wir sind stolz und gratulieren!

Admin - 12:58:41 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen

2021-07-22

Blog #42

An dieser Stelle einige Eindrücke unserer Praktikantin Melanie.

Mein fachspezifisches Praktikum in der Transition

Nach meinem vergangenen klinischen Praktikum in einer psychiatrischen Klinik, in der ich zwar viele verschiedene Menschen mit verschiedenen Krankheitsbildern kennenlernen durfte, aber der wirkliche zwischenmenschliche Kontakt zu den Menschen in diesem Setting nicht möglich war, entschied ich mich mein nächstes Praktikum in einer Einrichtung zu machen, in der der Mensch als individuelle Person angesehen und speziell auf seine Bedürfnisse eingegangen wird. Die jungen Erwachsenen die in der Transition leben, haben alle ihren schweren „Rucksack ihrer Vergangenheit“ zu tragen und werden dabei auf ihren individuellen Wegen, die sie beschreiten, von ihrem Betreuer:innen-Team unterstützt. Während meines Praktikums in der Transition hatte ich stets das Gefühl, dass den dort wohnenden Menschen auf Augenhöhe begegnet und anders als in vielen anderen Einrichtungen, die ich bereits kennenlernen durfte, vermehrt auf die Auswirkungen verschiedener Traumatisierungen (auf Verhalten und werdende Persönlichkeit des jungen Menschen) eingegangen wird. Vor allem das interdisziplinäre Team schätze ich sehr, sowie auch das Wissen der Kolleg:innen über verschiedene psychiatrische Krankheitsbilder und den Umgang mit den dadurch entstehenden Verhaltensweisen, individuell auf die zu betreuende Person zugeschnitten. Gegen Ende meines Praktikums hatte ich die Möglichkeit, mit ein paar Bewohner:innen und tollen Kollegen:innen auf eine Urlaubsaktion mitzukommen. Es ging in die Steiermark zum Campen. Auch wenn ich nicht lange dabei war, konnte ich den wertschätzenden Umgang und das Feingefühl meiner Kolleg:innen gegenüber den jungen Erwachsenen, gut miterleben. Danke, dass ich, wenn auch nur kurz, dabei sein durfte!
Ich bin sehr dankbar dafür euch als Praktikumsstelle gefunden zu haben und möchte nochmals erwähnen, dass ich es toll finde, wie ihr mit euren Bewohner:innen in Beziehung tretet und diese gleichzeitig ihr, mehr oder weniger, selbstständiges Leben führen! Auch die Individualität die ihr (vor)lebt hat mich sehr begeistert und inspiriert!
Danke euch!”

Danke dir vom gesamten Team!

Admin - 10:07:13 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen

2021-06-29

Neurodeeskaltion

Unser Mitarbeiter Dominik Lang hat einen Workshop bei ressourcenreich besucht und schildert uns seine Eindrücke.

“Mit der Ausbildung zum Neurodeeskalations-Practitioner habe ich gelernt, Eskalationen und jedes vermeintlich schwierige Verhalten unserer Klient:innen als Bitte nach Unterstützung bei der Integration ihrer traumatisierenden Vergangenheit zu verstehen. Ich habe auf allen Ebenen erfahren dürfen, dass die beziehungsorientierte Begleitung durch schwierige, höchst emotionale Situationen einen zentralen Faktor zur Heilung und meine eigene Selbstregulation das mit Abstand wichtigste Werkzeug für eine gewaltfreie Deeskalation darstellt. Danke ressourcenreich, für viele neue Antworten auf Fragen, die ich vor der Ausbildung in Neurodeeskalation nie gestellt hätte.”

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Admin - 11:13:21 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen

2021-05-07

Blog #37

Heute stellen wir die Masterarbeit unserer Mitarbeiterin Maria Schmid aus dem Projekt Oasis Socialis Transition vor:

“Meine Masterarbeit, die ich im November 2020 am Institut der Bildungswissenschaft abgeschlossen habe, hat den Titel: „Die Betrachtung der Kooperationserfahrungen von Jugendlichen mit Behinderung im Rahmen von Reflecting Teams im Übergang von SEK I in SEK II oder Beschäftigung.“ und hatte starken Bezug zu Themen in unserer Arbeit in der Transition. In der qualitativen Forschung, die meiner Arbeit zu Grunde liegt, habe ich mich mit dem Thema inklusiver Übergangsprozesse von Jugendlichen mit Behinderung nach der Pflichtschule in weitere institutionelle Bildungseinrichtungen oder in die Arbeitswelt beschäftigt und dabei den Fokus auf die Partizipation der Jugendlichen am Prozess und Kooperationsprozesse zwischen den beteiligten Instanzen gelegt. Dazu zählten die betroffenen Jugendlichen mit Behinderung, deren Eltern und Professionelle wie Lehre*innen, Sozialarbeiter*innen etc., die einen solchen Übergang begleiten können. Zudem wurde die Selbstbestimmung der Jugendlichen im Alltag, sowie im Erhebungsraum betrachtet. Hintergrund der Arbeit ist, dass Menschen mit Behinderung im Übergang zwischen Bildungseinrichtungen und dem Zugang zur Arbeitswelt mit Hürden und Schwierigkeiten konfrontiert sind, mit welchen sich Menschen ohne Förderbedarf oft nicht auseinandersetzen müssen. Dies ist unter anderem dadurch zu begründen, dass Betroffene nicht über institutionell und gesellschaftlich geforderte Ressourcen verfügen, die Übergangsanforderungen zu erfüllen, wenig inklusives Angebot besteht und sie somit auf externe Hilfe u.a. seitens der Familien oder Professionellen angewiesen sind. Dabei ist das Miteinbeziehen der Jugendlichen, sowie die Förderung der Selbstbestimmung in Zukunftsentscheidungen von großer Wichtigkeit.

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Die Datenerhebung fand unter den Rahmenbedingungen der partizipativen Forschung anhand eines sogenannten Reflecting Teams statt, welches die Wurzeln in der systemischen Therapie hat und als Gruppendiskussion gestaltet war. Dabei kamen drei Jugendliche mit unterschiedlichen Behinderungen zusammen und diskutierten über verschiedene Themen in einem künstlichen Setting, welches von mir beobachtet, aufgezeichnet, transkribiert und ausgewertet wurde. Das Reflecting Team gab den Jugendlichen die Möglichkeit, in einem geschützten Raum und unter Förderung der Partizipation selbstbestimmt Diskussionsthemen zu wählen. Es zeichnete sich durch wertschätzenden Umgang unter den Beteiligten aus, unterstütz von einem Forschungsteam, welches vertiefend nachfragte, das Gespräch begleitete und Wert darauf legte, alle einzubeziehen und den Raum zu geben, partizipativ am Gruppengespräch teilzuhaben.

Aus dem Gespräch ging hervor, dass das direkte Umfeld der Jugendlichen, in allen drei Fällen die Eltern und im weiteren Sinne die Lehrer*innen, die wichtigste Ressource für sie darstellte, im Übergangsprozess begleitet zu werden. Ein respektvoller Umgang und an die eigenen Ressourcen angepasste Empowermentprozesse spielten dabei eine zentrale Rolle. Es ließ sich erkennen, dass durch das Aufzeigen ihrer Möglichkeiten und das Fördern ihrer individuellen Fähigkeiten selbstbestimmtes Verhalten bestärkt wurde. Das Ergebnis der Untersuchung zeigte, dass es an allen Beteiligten liegt, Empowerment zu fördern, die Jugendlichen ihre Ressourcen und Interessen herausfinden zu lassen, diese zu bestärken und sowohl den Raum zu geben, eigene Entscheidungen zu treffen und sich für diese einzusetzen, als auch unterstützend zur Seite zu stehen.

Auch der Rahmen der partizipativen Forschung erwies sich in der inklusiven Forschung als sehr geeignet, da Inhalte gemeinsam erarbeitet wurden und die Jugendlichen mit Behinderung als Expert*innen ihrer Biographie im Mittelpunkt standen. Auch diese Arbeit zeigt, dass die inklusiven Angebote nach wie vor und trotz der 2008 in Österreich ratifizierten Behindertenrechtskonvention sehr reduziert sind, der Zugang zum Arbeitsmarkt immer erschwerter wird und es einem weiteren Ausbau des inklusiven Forschungsfeldes bedarf, um auf diese Verhältnisse aufmerksam zu machen.”

Admin - 11:42:21 @ Allgemein | Kommentar hinzufügen

2021-03-30

Blog #34

Praktikumsbericht

Unsere Praktikantin Gabi hat uns in unserem Alltag großartig unterstützt - hier ihre Abschiedsworte. Von uns: alles Liebe!

“Ich durfte zwei Monate als Praktikantin in der TURN-WG 1 mitarbeiten. Am letzten Tag habe ich das Haus mit vielen Emotionen verlassen: froh, stolz, müde, erleichtert, traurig und sehr sehr zufrieden. Ich konnte hier alles lernen, was ich für meine künftige berufliche Tätigkeit brauche. Das liegt vor allem an dem großartigen Team, das mich sofort als Mitglied akzeptiert und „mitgenommen“ hat. Ich durfte alles ansehen, ausprobieren und meine eigenen Kompetenzen einsetzen. Ich war nicht nur Beobachterin, sondern wurde nach meiner Meinung gefragt und meine Einschätzungen wurden wertvoll behandelt. Das gesamte Team habe ich als höchst reflektiert und engagiert erlebt, besonders die stets unterstützende Präsenz der Leitung ist außergewöhnlich. Und nicht zuletzt: Die WG-Bewohner*innen. Was soll ich sagen?! Sie sind mir ans Herz gewachsen und werden mir fehlen. Es sind großartige junge Menschen, die Außergewöhnliches leisten und aushalten, unter erschwerten Bedingungen. Ich wünsche ihnen, dass sie den Weg in ein selbstständiges, gesundes Leben weiter gehen können. Es sind individuelle Persönlichkeiten (und keine „Diagnosen“), die nichts anderes verdienen, als dass sich Menschen auch ganz individuell und wertschätzend um ihre Bedürfnisse kümmern. Das passiert meiner kurzen Erfahrung nach in der TURN-WG. Danke, dass ich das miterleben und mitgestalten durfte.”

Admin - 09:50:22 @ Allgemein | 46 Kommentare