Transition

Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über den theoretischen Background sowie dessen praktische Umsetzung in unserer Transition Wohngemeinschaft.


Die folgenden 9 Punkte sollen Ihnen eine genauere Vorstellung von den wichtigsten Strukturen und Prozessen unseres Projektes "Transition" ermöglichen. Grundlage sind das Konzept von Walter Eichmann und Patrick Frottier mit Erweiterungen von Wolfgang Haydn und Maximilian Hempt. 


1. Zielgruppe

"Transition" ist für Menschen zwischen dem 16. und 26. Lebensjahr konzipiert, die in erster Linie an einer psychiatrischen Erkrankung leiden, die mit einer leichten Intelligenzminderung verbunden sein kann  und oftmals mit einer chronischen und erheblichen Selbst- und/ oder Fremdgefährdung assoziiert ist. Diese Betroffenen profitieren von einer konsiliarpsychiatrischen Begleitung (psychopharmakologisches Monitoring, Therapieevaluation, regelmäßige psychiatrisch-therapeutische Betreuung) sowie einer multiprofessionellen (Voll-)betreuung.


2. Aufnahme

Grundlage für eine Aufnahme in unser Wohnprojekt bzw. für die Evaluation der Qualität ist die in der Kinder- und Jugendhilfe bereits erfolgreich etablierte und für unseren Gebrauch adaptierte Soziale Funktionsdiagnostik und die Diagnostik der psychiatrischen Krisenanfälligkeit. Eine Aufnahme wird von Fonds Soziales Wien, Wr. Kinder- und Jugendhilfe und dem Leitungsteam der Oasis Socialis gemGmbH geprüft und bestätigt. Voraussetzung ist außerdem ein Rechtsanspruch nach dem Chancengleichheitsgesetz.


3. Wichtige Abläufe und Angebote

Der Tagesablauf orientiert sich am sogenannten „Normalisierungsprinzip“. Das bedeutet, dass der Tagesablauf sich möglichst an normalen, also soziokulturell üblichen Modalitäten orientiert (Lebensweltbezug) und dadurch Institutionalisierungstendenzen vermieden werden. Nach Möglichkeit werden Bildungs- und Beschäftigungsangebote (Schule, Arbeit, Trainingsmaßnahmen) wie auch kurative Maßnahmen und freizeitpädagogische Aktivitäten außerhalb der sozialpädagogischen/sozialpsychiatrischen Betreuungseinrichtung wahrgenommen. Ist dies aus nachvollziehbaren Gründen vorübergehend nicht möglich, müssen entsprechende Angebote von der Einrichtung (Hausbeschulung, Einzelbetreuungsmaßnahmen, Beschäftigungstherapie, erlebnispädagogische Aktionen) oder von der stationären Psychiatrie (vorübergehende Aufnahme) geleistet werden. Ziel ist es, die BewohnerInnen durch „dialogische Assistenz“ in einem möglichst „herrschaftsfreien Diskurs“ zur „Selbst-Bemächtigung“ zu begleiten. Neben pädagogischen (Grundversorgung, edukative Aktivitäten, Beschäftigungs- und Freizeitangebote) und sozialtherapeutischen (Einzel- wie auch Gruppensetting) Maßnahmen werden psychiatrische Interventionen eine große Rolle spielen. Dies sind vor allem regelmäßige Begutachtungen, das pharmakologische Monitoring, Krisenintervention und der Fachdialog mit der Psychiatrie. Angestrebt wird die Erreichung eines hinreichenden Ausmaßes an Compliance hinsichtlich pädagogischer, psychotherapeutischer und pharmakologischer Interventionen.


4. Räumlichkeiten

Auf 3 Stockwerken befinden sich:

  • 12 Kleinwohnungen zu je ca. 26qm                                                               
  • 1 Kleinwohnung für den Nachtdienst                                
  • 3 Multifunktionsräume (Büro, Besprechungen, Teamsitzungen, Einzel- und Gruppenangebote)
  • 1 Psychiaterzimmer
  • Café Transition
  • diverse Nebenräume


5. Team 

In der Oasis Socialis gemGmbH sind 18 Personen nach einem multiprofessionellen Ansatz tätig. Unsere Grundausbildungen sind u.a.

  • Sozialarbeit
  • Sozialpädagogik
  • Bildungswissenschaften
  • Psychologie
  • Psychiatrische Krankenpflege
  • Ergotherapie
  • Erlebnispädagogik



Unser Team (Stand Sommer 19)


Das Leitungsteam setzt sich folgendermaßen zusammen:

Mag. Walter Eichmann

Geschäftsführung

 

Wolfgang Haydn, MA

Einrichtungsleitung, Projektkoordination

 

Dr. Patrick Frottier,

Konsiliarpsychiater


6. Verantwortung und Dienststruktur

Die Mitarbeit in unserem Team ist mit großer Verantwortung verbunden. Neben den rechtlichen Vorgaben und Alltagsaufgaben, haben alle unsere unsere Mitarbeiter*innen einen besonderen Aufgabenbereich. Sei es nun die BezugsbetreuerInnentätigkeit, die Koordination oder die Verantwortung für die Soziale Diagnostik. Dies bedeutet auch, dass sich die Mitarbeiter*innen auch innerhalb ihres Verantwortungsbereiches fortbilden müssen. Der regelmäßige Austausch über neueste Erkenntnisse aus der Forschung ist hier ein wichtiges Element.

In Transition ist rund um die Uhr besetzt. Zu den aufgabenreichsten Zeiten  sind weitere Teammitglieder vor Ort. Alle anderen „Dienste“ werden je nach Bedarf geplant. Ziel ist eine maximale Bedürfnis- und Bedarfsorientierung. Das Café Transition ist mindestens 4-mal wöchentlich geöffnet und auch für geladene Gäste (Freunde, Familie usw.) zugänglich. Die Kommunikationsforen (Supervision etc.) finden zumeist dienstags statt. Vor allem am Wochenende gibt es freizeit- und erlebnispädagogische Angebote.


7. Austausch und Fortbildung

Regelmäßige psychiatrische Fallsupervisionen (14-tägig), regelmäßige Teammeetings, Teamsupervisionen und eine hohe Quantität an Weiterbildungen (monatliche InHouse-Kurzfortbildungen, individuelle Fortbildungsbudgets, Unterstützung bei berufsbegleitender Ausbildung) dienen der Qualitätssicherung, der passgenauen Konzeption der Hilfepläne und steter Reflexion der Praxis durch die Theorie. Für einzelne Themenbereiche (Bezugsbetreuung, Auszugsmanagement etc.) finden sogenannte Kleinteammeetings statt.


8. Evaluation und WIrkungsmessung

Sind die Bewohner*innen zufrieden? Passt unser Angebot oder braucht es Adaptierungen? Wie oft werden welche Angebote in Anspruch genommen? Entsprechen wir den Anforderungen der Stakeholder? Sind die Dienstpläne so gestaltet, dass die Work-Life-Balance der MitarbeiterInnen adäquat ist? Verringert sich die psychiatrische Krisenanfälligkeit der Bewohner*innen?

Diese und weitere Fragen sollen regelmäßig und kontinuierlich gestellt und überprüft werden und gegebenenfalls zu Anpassungen des Qualitätsmanagementsystems und des Konzeptes führen. Wichtig ist uns außerdem, die universitäre Forschung einzubinden. Wichtige Erkenntnisse sollen dann auch der Fachöffentlichkeit unter Wahrung strengster Datenschutzbestimmungen zur Verfügung gestellt werden.


9. Gesellschaft

Transition ist ein Wiener Pilotprojekt, das wesentliche Erkenntnisse der Transitionsforschung mit Erfahrungswerten aus der sozialpsychiatrischen Betreuung und Begleitung psychisch kranker Jugendlicher in Wien verknüpft. Der professionsübergreifende fachliche Diskurs über den Bedarf für diese Zielgruppe hat nun auch strukturell Früchte getragen. Nun gilt es, dieses Projekt und wesentliche Grundlagen und Erkenntnisse breiter zu kommunizieren und zu diskutieren. Der Übergang vom Jugendalter ins Erwachsenenleben ist ein sehr anspruchsvoller und stets mit viel Unsicherheit und mannigfaltigen (Über-)forderungen verbunden. Wir wollen auf die komplexeren Herausforderungen für psychisch Erkrankte aufmerksam machen und den Transitionsansatz als wichtige Diskussionsbasis für Gesellschaft, Fachöffentlichkeit und Entscheidungsträger präsentieren. In Kooperation und Abstimmung mit dem Hauptförderer der "Transition", dem Fonds Soziales Wien, ist uns die aktive Kommunikation unseres Projektes, die Veröffentlichung eines Jahresberichtes, die Teilnahme am Fachdiskurs sowie das aktive Mitwirken in Dachverbänden und Interessensvertretungen wichtig und somit Teil der Programatik unseres Projektes.